Archivalien finden – digital & analog

Mit diesem kleinen Beitrag folge ich der kürzlich in diesem Blog geposteten Aufforderung zu kleinen Forschungsgeschichten.

Gründliche Genealogen saßen und sitzen zeitaufwändig über Rechnungsbüchern und Gerichtsakten, um zu den Grunddaten von Geburt, Heirat und Tod eines Ahnen Lebensereignisse mit dem Ziel hinzuzufügen, etwas mehr von dessen Lebensgeschichte berichten zu können. Klar, ohne Aufwand geht es nicht. Aber Digitalisierung und Internet erleichtern uns zunehmend den Zugang zu solchen Quellen und ersparen uns auch manche sonst notwendige Archivreise. Der folgende Text berichtet davon.

Der Oekonomierat Karl Robert Teuthorn

Auszug aus Band 98-100

Zu einer Nebenlinie, für die mir ausführliche Kirchenbuchrecherchen bis vor Kurzem nicht nötig schienen, gehört der Landabschätzungskommissar Karl Robert Teuthorn (*1853 in Leipzig). Vor Jahren fand ich in Deutsches Familienarchiv Band 98—100 (Volkmar Leonhard) diesen rudimentären Hinweis.

Recht aufwändig hatte ich zuvor das kiloschwere Werk antiquarisch erwerben können. Das liegt lange zurück. Die weiteren Annäherungen übergehe ich hier und springe direkt in das Archivportal Thüringen. (Siehe dazu auch Hilfen auf dieser Website.)

Überraschend findet sich hier unter der Rubrik Sachsen-Ernestinischer Hausorden und Medaillen der Herzöge der


Aus den Ordensakten des Sachsen Ernestinischen Hausordens

Spezialkommissar, Königlich Sächsischer Ökonomierat in Leipzig-Eutritzsch – Teuthorn, Karl Robert mit den Signaturangaben  

  • Archivalien-Signatur: 18598
  • Bestandssignatur: 2-99-4004
  • Datierung: 1913

Ich nehme das schöne Ergebnis jetzt einmal vorweg. Der Rechercheweg folgt danach.


Rechercheablauf

Meiner eMail-Anfrage im zuständigen Archiv Gotha folgte der Verweis des dortigen Archivars auf das Staatsarchiv Altenburg. Denn dort lägen die Ordensakten und es bestünde die Chance, dort biographische Angaben zu finden. Das schöne Ergebnis konnten wir gerade sehen, aber es enthält mehr als diese Urkunde.

Karl Robert war zum Zeitpunkt der Auszeichnung 60 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen. Aus der Archivalie erfahren wir seinen Lebenslauf, das komplizierte Antragsprocedere im Vorfeld der Ordensverleihung, und wir bekommen einen Einblick in die puppenstubenhafte Geographie und Administration eines föderalen Herrschafts- und Verwaltungssystems, dessen Strukturen etwas abgemildert zwar, aber immer noch kompliziert Familienforschung und Regionalgeschichte so aufwendig, unübersichtlich und für (beispielsweise) meine amerikanische Verwandtschaft ziemlich unverstehbar machen.

Weitere Quellen

Karl Robert Teuthorn war als Landabschätzungskommissar von Leipzig aus tätig. Dies geht aus den lückenlos vorhandenen und digitalisierten Leipziger Adressbüchern hervor. Der uns Heutigen nicht auf Anhieb verständliche Begriff der Landabschätzung bedeutet die Vorstufe der für den Bahnbau im Erzgebirge nötigen Landenteignungen. Auch hierzu finden sich Quellen, diesmal im Sächsischen Staatsarchiv. Zur Zeit sind dort vier Archivalien zu Expropriationen, an denen er mitgewirkt hat, nachgewiesen.

Eine Biographie anhand digitalisierter Findhilfen

Alle bisher gefundenen Archivalien waren bereits zum Zeitpunkt der Druckausgabe des Familienarchivbandes vorhanden. Aber der Rechercheaufwand wäre 1987 immens und kaum zu leisten gewesen. Erst die digitalisierten Findhilfen ermöglichten ein vergleichsweise schnelles Auffinden. Weitere hier nicht erwähnte Biographiestückchen fanden sich in digitalisierten Zeitungsmeldungen, Adressbüchern, Schülerlisten. Außer Karl Roberts Berufsbezeichnung verdanke ich alle Ergebnisse diesen heute leicht zugänglichen Forschungshilfen.

Neben der Chance, mit weiter zunehmender Präsentation von Findhilfen und Erschließungshinweisen wichtige Archivalien online zu finden, bieten die Archivportale die aktuellen Adressdaten des Archivs mit Telefon- und eMail-Kontakten. Damit sind Auskünfte schneller möglich und damit auch die Abschätzung, ob sich eine Archivreise bei umfangreicheren Archivalien lohnt, oder ob kostenpflichtige Scans versandt werden können. Künftig dürfen auch noch mehr Digitalisate erwartet werden.

Die biographischen Anteile dieser Zeilen sind die Vorstufe zu einem geplanten vollständigeren Aufsatz und Teil eines geplanten Buches zu den Leipziger Teuthorns, getreu meiner Überzeugung: Man schreibt ein Buch erst wenn die Forschung einen zufriedenstellenden Stand erreicht hat. Teilergebnisse eignen sich schon für einen Aufsatz. Aber einzelne Bausteine sind gutes Material für einen Blog-Artikel. Denn niemand kann wissen, ob die Lebenszeit für die angestrebte komplette Darstellung reicht.

Peter Teuthorn

Peter Teuthorn

Mitglied: AMF 2010 / SHFam 1291 / CompGen 3116 / Mehr über ihn und seine Forschung unter http://wiki-de.genealogy.net/Benutzer:Teuthorn

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