Vor 160 Jahren: Ehrenmedaille für Johann August Rösler (1778-1862)

Am 28. August 1860 erhielt der Gymnasiallehrer Dr. Johann August Rösler in Görlitz die Ehrenmedaille der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften für seine 50jährige Mitgliedschaft.

Historischer Bibliothekssaal der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften (Foto: Hoover5555, 2015)

Johann August Rösler wurde am 27. August 1778 in Görlitz geboren. Seine Eltern waren Sebastian Rösler und Sophia, geb. Gardt. Bevor sein Vater in den Tabak- und Garnhandel wechselte, war er Oberältester der Nagelschmiede. Nach dem Besuch der Waisenhausschule kam Rösler 1789 in die Quinta des Gymnasiums in Görlitz und begab sich zu Ostern 1800 nach Leipzig auf die Universität, um dort Theologie zu studieren.

Allerdings muss er vorher noch eine Station in Zittau gemacht haben. Welchen Verwandten oder Bekannten er außer meinem Altvater Ernst Siegmund Wilhelm Kühn (1781-1850)  besucht hat, habe ich noch nicht herausgefunden.

Eintrag im Stammbuch von E. S. W. Kühn auf der Seite 95. [1]

Aus seiner Autobiographie erfahren wir weiter, dass er sich schon zwei Jahre später zusätzlich dem pädagogischen Studium widmete. Dazu besuchte er die Ratsfreischule unter dem Direktorat von Karl Gottlieb Plato (1757–1833) und der Unterstützung durch Johann Christian Dolz (1769–1843). Mit Begeisterung erzählt er, dass dies für ihn „eine Schule des Lebens“ war und er viel Gewinn daraus gezogen hat.

Da Rösler schon 1802 seinen Doktor in Philosophie erlangte, könnte sein zweiter Eintrag in das Stammbuch meines Altvaters mit einer diesbezüglichen Feier zusammenhängen.

Eintrag im Stammbuch von E. S. W. Kühn auf der Seite 54.

Zwar schreibt Rösler in der genannten Autobiographie auch von seiner Heirat und seinen Kindern; ausführliche Informationen dazu liegen aber in der Bibliothek der German Society of Pennsylvania (S. 289). Dort finden wir auch die mit der Hand geschriebene und in französischer Sprache verfasste Autobiografie seiner Mutter, Louise von Clauer. Über diese kleine Notiz in der biographischen Skizze seines seit 1850 in die Vereinigten Staaten von Amerika lebenden  Sohnes, Gustav Adolph Roesler (1818–1855), können wir nun den Bogen zurück nach Sachsen schlagen: „Louise von Clauer Roesler: (Mother of Gustav Adolph Roesler) Born 1784 in Dresden. Educated in France. Orphaned by French Revolution. Appointed principal of Luisenschule in Görlitz (1815).“

Was aber ist gemeint mit „orphaned by French Revolution“, Waise aufgrund der Französischen Revolution. Dies liegt an dem bewegten Leben ihres Vaters, Karl Clauer (1763/64–1794). Dieser praktizierte zunächst als promovierter Jurist in Dresden, versuchte durch Heirat sein Glück in Wien zu machen und erwarb dort den Adelstitel. 1791 ging er von Berlin aus nach Straßburg und schloss sich den Jakobinern an. 1793 wurde er allerdings als Deutscher aus den politischen Ämtern entfernt und landete im Gefängnis von Landau, wo er auch ein Jahr darauf starb.

Dies möge ein kleines Beispiel dafür sein, was sich einem alles an Netzwerken erschließt, wenn man sich mit der Biographie der Einträger in Stammbüchern beschäftigt.


[1] Ich danke Herrn Uwe Kahl, Leiter des wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Altbestandes der Christian-Weise-Bibliothek in Zittau (CWB Zittau), für die Abdruckerlaubnis dieses Blattes. Das Stammbuch ist dort unter den Signatur Mscr. B 390 vorhanden.

Hermann Kühn

Hermann Kühn

Mitglied: AMF 2629

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