Vor 190 Jahren gestorben: Georg Friedrich Schlüter (1772–1830)

Georg Friedrich Schlüter wurde am 29. Januar 1772 in Zittau als Sohn des Kaufmanns und Ratsmitglieds Georg Albert Schlüter (1701–1774) und seiner dritten Frau Friederica Dorothea Knebel (1748–1815) geboren. Bis zu seiner Konfirmation Ostern 1787 (Ostern fiel auf den 8.4.) genoss er den Hausunterricht von vier Hauslehrern: Ehregott Leberecht Bonitz, Schmalz, Schorcht und Radnütz.

Am 16. April 1787 trat er als Lehrling in die väterliche Handlung ein, welche nach dem Tod seines Vaters unter Georg Albert Schlüters Erben fortgeführt wurde. An seinem zwanzigsten Geburtstag wurde er zum Diener erklärt. Noch im selben Jahr ging er nach Hamburg und arbeitete dort fast vier Jahre lang in einem Kontor. Zwei Jahre nach seiner Rückkehr nach Zittau wurde er in die dortige Kaufmannns-Societät aufgenommen und erlangte das Bürgerrecht. Seit 1800 leitete Georg Friedrich Schlüter die Funeral-Societät in Zittau.

Am 6. Mai 1801 heiratete er Beata Augusta Elisabeth Teßner (1781–1808), eine  Tochter des Kaufmanns und Senators in Sorau Samuel Gottlob Teßner (1750–1818) und seiner aus Bernstadt gebürtigen Frau Beate Eleonore Schmidt (1762–1812). Aufgrund des Napoleonischen Krieges und der Kontinentalsperre von 1806 bis 1813 kam sein besonders mit Großbritannien blühender Handel zum Erliegen.

Trotz seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten ermöglichte er drei seiner vier Kinder Hausunterricht durch in Zittau bekannte Kandidaten der Theologie; sein viertes Kind, der 1807 geborene Heinrich August Schlüter, starb schon nach 8 Monaten. Ein weiterer Schicksalsschlag war der frühe Tod seiner Frau im Alter von 27 Jahren.

v.l.n.r.: Bierhof Nr. 211 Jüdengasse, heute Markt 24, Wohnhaus der Familie Schlüter von 1771 bis 1806 [seit 1880 Königliches Amtsgericht]; Bierhof Nr. 212, Am Markt, heute Markt 22; Bierhof Nr. 213, Am Markt, heute Markt 20, Wohnhaus der Familie Kühn von 1732 bis 1850; CdV um 1887 (Sammlung von Hermann Kühn, Hamburg)

Aus der Häuserchronik mit den dort angezeigten Besitzwechseln seiner Grundstücke können wir auf den ersten wirtschaftlichen Einbruch im Jahre 1806 schließen. Schließlich zwang ihn der Tod seiner Mutter im Jahre 1815, Konkurs anzumelden. Nur durch den restlichen Verkauf im Jahre 1817 des schon von seinem Vater erworbenen umfangreichen Grundbesitzes konnte er seine Gläubiger befriedigen. So wurden „die noch übrigen Tage seines Lebens sehr verkümmert und getrübt.“

Georg Friedrich Schlüter starb am 30. Oktober 1830; nicht 1831, wie in seinem Register fälschlich nachgetragen wurde.

Wir gedenken des Todestages von Georg Friedrich Schlüter, weil er den genealogisch interessierten Bürgern der Stadt Zittau die nach ihm benannten „Schlüterschen Tabellen“ hinterlassen hat.[1] Anders als Engelmann[2] widmete sich Schlüter innerhalb der von ihm betrachteten Familien ausführlich den Heiraten der jeweiligen Töchter innerhalb der Linien und stellt die Genealogie manchmal über drei Generationen dar. Dies hat die Arbeit der genealogischen Erforschung der eigenen Familie des Verfassers sehr erleichtert.

Handschriften der Christian-Weise-Bibliothek Zittau, Abteilung A, Version 91.
Zusammengestellt von Tino Fröde. Zittau, 2007, S. 173.

Seine „Beschreibung des Winter-Concerts im Sonnensaal“ in Zittau war schon früh Gegenstand in den einschlägigen Geschichtsblättern von Zittau, enthalten doch seine Aufzeichnungen viele interessante und kuriose Bemerkungen über das Zittauer Musikleben und einzelne Personen der damaligen Zeit.[3]

Da der Verfasser beabsichtigt, die Familie Schlüter bis zu ihren Vorfahren in Herford vorzustellen, sind natürlich auch die Grabinschriften aus „Schlüter’s Collectanea“ erwähnenswert.[4] Für Herrn Tino Fröde, welcher zurzeit das „Ratsbuch der Stadt Zittau“ zusammenstellt, waren Schlüters Manuskripte „Magistratus Zittaviensis 1744 bis 1802“ und „Verzeichnis der Beamteten in Zittau 1800 bis 1828“ eine wertvolle Grundlage für die Fortführung der Ratslinie aus dieser Zeit.


[1] Stadtarchiv Zittau, IX-VII-16-B.52 (Georg Friedrich Schlüter, Zittauische Familien Register)

[2] Staatsarchiv Leipzig, Bestand 21944 (Karl Fritz Engelmann, Genealogische Tabellen über Zittauer Familien)

[3] Vgl. Christian-Weise-Bibliothek Zittau, Wissenschaftlicher und Heimatgeschichtlicher Altbestand, Mscr. A 138 b.

[4] Vgl. ebd. Mscr. A 138 / 9.

Hermann Kühn

Hermann Kühn

Mitglied: AMF 2629

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