Ausblick auf die neue ZMFG mit Goethes Reise nach Schlesien vor 230 Jahren

1790 reiste Johann Wolfgang von Goethe nach Schlesien. Er unternahm diese Reise aufgrund der Einladung seines Landesherrn, Freundes und Förderers Herzog Carl August von Sachsen-Weimar. Dem Herzog, einem treuen Verbündeten des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II., war nämlich das Kommando über eine Truppe anvertraut worden; er selbst nahm dafür Quartier in Zirlau. 1790 schien eine militärische Auseinandersetzung zwischen Österreich und Preußen unvermeidlich. Allerdings brachte der Regierungsantritt Leopolds II. eine Wendung dieser bedrohlichen Situation. Und am 27. Juli 1790 fanden die beteiligten Mächte doch noch zu einer friedlichen Lösung.

Am 26. Juli brach Goethe von Weimar über Jena nach Dresden auf. Hier unterbrach er die Reise, um sich die berühmten Sammlungen der Stadt anzusehen und Freunde aufzusuchen. Am 31. Juli setzte Goethe die Reise fort und erreichte noch am selben Tag bei Kretschmar das Gebiet der Oberlausitz. „Seit Anfang des Monats bin ich nun in diesem zehnfach  interessanten Lande“ das „ein sonderbar schönes, sinnliches und begreifliches Ganzes macht. Ich werde viel zu erzählen haben“,  schrieb er an das Ehepaar Herder, dem er freundschaftlich verbunden war,  am 10. August 1790 nach Weimar.

Nicht nur Breslau, Oberschlesien, die Grafschaft Glatz und das Riesengebirge waren dabei Stationen für den Aufenthalt, es ging sogar über Schlesien hinaus bis nach Krakau und Tschenstochau. Viele Anknüpfungspunkte für seine Interessen fand Goethe in diesem bodenschatzreichen Land, das  durch seinen Bergbau längst  bekannt war. Natürlich traf er auch bedeutende Persönlichkeiten.

Nicht unerwähnt bleiben darf seine Begegnung mit der aparten und intelligenten Henriette von Lüttwitz. Die Ablehnung seines Heiratsantrags erfuhr Goethe nach seiner Rückkehr von seinem Abstecher zu den Salzminen bei Krakau nach Breslau am 10. September 1790. Am 19. September 1790 trat er die Rückreise an, bestieg noch die Schneekoppe und „passierte“ am 25. September 1790 Bautzen auf seinem Rückweg nach Dresden.

In der nächsten Ausgabe der Zeitschrift für Mitteldeutsche Familiengeschichte stelle ich die direkte Verwandtschaft meiner Familie mit Johann Wolfgang von Goethe vor. Zudem gibt es bei meinen Vorfahren noch eine weitere Familienlinie Kühn. Diese war für  drei Generationen eingebunden in die sächsische Postgeschichte. Eine Person aus dieser Familie ist Goethe nur kurz begegnet, dafür aber zweimal. Diese Begegnungen haben vor 230 Jahren stattgefunden. Es waren berufsbedingte Begegnungen, die vielleicht sogar in Unkenntnis der Bekanntheit der Person Goethes geschahen, denn es ist nichts darüber überliefert. Berufsbedingt deswegen, da das letzte männliche Familienmitglied dieser Linie, Christian Traugott Kühn, im Jahre 1790 gerade Posthalter in „Kretzmar oder Kretschmar“ war. Mit Kretzmar bezeichnet der Diener Goethes die Poststation Rothkretscham, welche bei der Hin- und Rückreise der schlesischen Reise passiert wurde und dessen Posthalter Christian Traugott Kühn war.


Folgende Beiträge sind in der ZMFG 61 (2020), Heft 4 enthalten, die in den nächsten Tagen an unsere Mitglieder verschickt wird:

  • Bock, Michael: Die Stadt Dahme im Erbbuch des Fürstlich Sächsischen Amtes Dahme 1658, S. 401–407.
  • Kühn, Hermann: Kühn trifft Kühn und beide treffen Goethe. Ahnenlinien aus der sächsischen Oberlausitz, S. 408–427.
  • Lindemann, Stefan: Die herrschaftlichen Gärtner von Groß Behnitz im Havelland. Biographica des Gartenpersonals (18.–20. Jahrhundert) sowie historische Betrachtung seiner örtlichen Wohnstätten, S. 428–451.
  • Zeitschriftenschau, S. 427, 452–455.
  • Beilage: Vereinsmitteilungen der AMF, Nr. 215, S. 205–216.

Hermann Kühn

Hermann Kühn

Mitglied: AMF 2629

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