Vor 290 Jahren: Apotheker Christian Gottlob Weinlig geboren

Vor acht Jahren hatte ich mich mit der Familie Weinlig beschäftigt. Bei den Recherchen tauchte der Familienname Gotter auf als die Bezeichnung für die Linie der Familie, mit der ich befasst war. Als ich nun den Beitrag von Helmut Helbich in ZMFG 3/2020 las, erinnerte ich mich wieder daran. Hiermit möchte ich einen Teil der von dessen jüngeren Bruder, Johann August Gotter (1613–1683), ausgehenden Gotterschen Linie der Familie Weinlig vorstellen.

Christian Gottlob Weinlig wurde 1730 in Zerbst geboren. Seine Eltern starben früh. Die Erziehung übernahm sein Großvater Christian Weinlig (1681–1762), der in erster Ehe verheiratet war mit Anna Christina Gotter  († 1732). Die Eltern von Anna Christina waren Johann August Gotter (1648–1724) und Anna Catherina Zeidler (1651–1711); Johann August Gotter war der älteste Sohn des bei Helbig genannten Johann August Gotter (1613–1683).

Christian Gottlob Weinlig erlernte das Apothekerhandwerk und wurde 1761 kurfürstlicher Leibapotheker. Dies führte zu engen Beziehungen zum kursächsischen Hof; besonders zu der an Alchemie interessierten und auch selbst auf diesem Gebiet arbeitenden Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern (1724–1780). Diese Beziehung Weinligs führte allerdings dazu, dass sich 1774 seine Frau, Johanne Christiane Müldner, von ihm trennte und schließlich scheiden ließ. Weinlig zog nach Berlin.

Mit dem am 2. August 1775 von Friedrich dem Großen unterzeichneten Privileg gründete er in dem Eckhaus Leipziger Straße / Neue Kommandantenstraße am Dönhofplatz die Apotheke „Zum Elephanten“.

Postkarte Alt-Berlin – Motiv um das Jahr 1800 – Das Eckhaus mit der Apotheke befindet sich, verdeckt durch die Bäume, rechts vom Meilenzeiger (Postkarte im Besitz des Autors)

Nach dem Medizinaledikt von 1725 musste sich Weinlig zur Übernahme seiner Apotheke dem für Apotheker größerer Städte vorgeschriebenen pharmazeutischen Staatsexamen unterziehen. Er bestand es am 15. Mai 1776 mit Bravur. Seine Ausarbeitung über die chemischen und pharmazeutischen Eigenschaften des Eisens erschien 1778 in Berlin als Broschüre. Es war das erste Mal, dass eine solche Prüfungsarbeit gedruckt wurde. 1780 heiratete Weinlig Christiane Dorothea Wiemann, welche aber schon 1787 starb.

Die Gründung und der anfängliche Betrieb standen unter keinem guten Stern. Im Jahre 1784 machte Weinlig die Bekanntschaft mit Johann Georg Sieburg, dem Besitzer einer bekannten Kattunfabrik, und entwickelte für ihn ein Verfahren, Kattun und Leinen in kürzerer als damals möglicher Frist zu bleichen. Seit diesem Jahr verwalteten unterschiedliche Provisoren seine Apotheke.

Auch diese Ausarbeitung, “Gründlicher Unterricht in der so genannten Hausmannischen Bleiche …“, erschien 1792 als Druck mit einer Widmung für Johann George Sieburg, in welcher Weinlig seine Situation schlaglichtartig zum Ausdruck bringt: „… und zweitens, meinen sehnlichen Wunsch einmal erfüllt zu sehen, der ganzen Welt rühmen zu können, daß ich seit acht Jahren, bei meinen großen Unterdrückungen, unendliche Wohltat und Unterstützung von Ihnen und Ihrem Hause erhalten habe.”

Schließlich waren es wohl finanzielle Schwierigkeiten, welche Weinlig veranlassten, seine Apotheke 1792 an den Ober-Feld-Apotheker August Wilhelm Behrend (1754–1833) zu verkaufen. Mit dem Erlös tilgte Weinlig gerade seine Schulden. Nach dem Verkauf diente er als Feld-Apotheker im königlichen Feld-Lazarett und machte 1794 den Feldzug nach Polen mit, dies sogar als Direktor des Lazaretts. Sein weiteres Schicksal liegt allerdings im Dunkel. Über seinen Tod im Jahre 1799 gibt es nur die Vermutung.

Aus seiner ersten Ehe hatte Weinlig zwei Kinder, wobei der Sohn Christian Friedrich Weinlig  (1762–1837) die Linie fortsetzte. Er starb als Pfarrer in Fallingbostel.

Dessen Sohn, Franz Eduard Friedrich Achatz Weinlig (1798–1874), wurde Jurist. Er war 1830 Stadtsyndicus und 1848 Bürgermeister von Soltau. Dort ist auch eine Straße nach ihm benannt.

Dessen Sohn, Johann Friedrich Ludolph Eduard Weinlig (1832–1920), wurde als Mineralwasserfabrikant in Harburg a.d.E. bekannt und war dort seit 1888 Senator. Am Tage seines 25jährigen Jubiläums als Senator wurde 1913 eine Straße nach ihm benannt und fünf Jahre später wurde ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt Harburg a.d.E. verliehen.


Anmerkung der Online-Redaktion: Der Autor bezieht sich auf
Helbig, Helmut: Die Familie des Johann Christian Gotter in Gotha und ihre Verbindung zu den Familien Stieler, Schelling und Schlegel, in Zeitschrift für Mitteldeutsche Familiengeschichte / ZMFG Jg. 61 (2020), Heft 3, S. 375–396.

Hermann Kühn

Hermann Kühn

Mitglied: AMF 2629

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