Forschungsergebnisse auf der eigenen Website – Welche Daten gebe ich preis ?

Von Ursula Holz

An der Frage, wie wir mit unseren Forschungsergebnissen umgehen, scheiden sich die Geister. Früher oder später stehen wir vor der Frage: veröffentlichen? Im Falle des Ja folgt gleich das Wie. Als unstrittig anerkannter Weg können Buch und Zeitschriftenaufsatz gelten. Als digitale Publikationsformen setzen sich zunehmend Website und Blog durch. Dabei kommt es auf eine durchdachte Struktur und eine ansprechende Form an. Wir haben unser Mitglied Ursula Holz um ihre Überlegungen dazu gebeten.

Die mütterlichen Vorfahren meines Vaters stammen aus Sachsen-Anhalt (Börde- und Ohrekreis sowie Altmarkkreis Salzwedel).  Nachdem in den 80er-Jahren eine „Stammtafel des Geschlechtes Lenz“, erstellt von meinem verstorbenen Onkel, in unseren Besitz kam, wurde mein Interesse zur Familienforschung geweckt. Es kamen im Laufe der Jahre noch andere Forschungsgebiete wie Zerbst/Anhalt, Ostprignitz, Niederschlesien (Grafschaft Glatz), Böhmen und die Vorfahren meines Mannes aus dem westfälischen Münsterland dazu. Die recherchierten Daten erfasste ich nach und nach mit der Software Family Tree Maker.

Nachdem ich  meine berufliche Tätigkeit beendete, kam der Gedanke, meine Ergebnisse auf einer eigenen Homepage zu veröffentlichen. Aber was sollte und wollte ich darstellen? Welche Daten wollte ich preisgeben?

Ich entschied mich nach langem Überlegen bei jedem Forschungsgebiet für eine klare einheitliche Struktur und gute Navigationsmöglichkeiten: Kurzes Darstellen der Familie, teilweise mit Fotos, ein Stammbaum, ein Personen-Index, eine Ortsliste (kartenbasiert). Die Seite ist außerdem so aufgebaut, dass wenn man eine Einzelperson aufruft, sich gleichzeitig die Vor- und Nachfahren anzeigen lassen.

Für mich ist Familienforschung immer ein Geben und Nehmen sowie Austausch mit anderen Gleichgesinnten. Daher habe ich unter Einhaltung der Datenschutzfristen sehr viele Personensätze veröffentlicht, um Kontakte zu entfernten Verwandten und Forscherkollegen herzustellen. Ich habe kein Problem damit, meine Forschungsergebnisse mit anderen zu teilen. Ich kann dadurch nur gewinnen und wertvolle Infos erhalten.

Ich kenne Forscher, die ihre Daten noch nicht einmal geordnet haben, nicht bereit sind für Auskünfte und auch keine Veröffentlichung auf irgendwelchen Plattformen anstreben. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Aber was nutzt mir eine Forschung, die nur im stillen Kämmerlein archiviert  oder auf einer Festplatte verborgen ist? In den vergangenen Jahren wäre ich ohne die Hilfe anderer Forscher in einigen Familienzweigen nicht so weit gekommen. Oft fehlt nur ein winziges Puzzleteil oder ein Hinweis, um weiterforschen zu können.

Nach fast acht Jahren habe ich bisher  nur positive Rückmeldungen auf meine Website bekommen, die immer aktuell gehalten wird. Dies ist u.a. für mich auch gleichzeitig eine Sicherung meiner Forschungsergebnisse. Ich habe viele neue weiterführende Informationen erhalten. Aber ich habe ebenso vielen Forschern, auch Neueinsteigern helfen können. Nette Kontakte zu Gleichgesinnten und Mitstreitern für unser faszinierendes Hobby sind entstanden. Bei mir wird jede Anfrage bearbeitet und beantwortet. Wie gesagt:  Es muss immer ein Geben und Nehmen sein.

Anmerkung der Redaktion:
Möchten auch Sie uns Ihre digitale Präsentation oder einen Ausschnitt aus Ihrer Forschung vorstellen? Sprechen Sie uns an. Wir freuen uns.

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2 Antworten

  1. Werner Liegl sagt:

    Ja, Frau Holz, da kann ich Ihnen großteils zustimmen. bei einer Veröffentlichung von Personendaten, die ja dann meist nicht nur Forschern, sondern allen zur Verfügung stehen, achte ich schon darauf, Daten von noch lebenden Personen nur nach Absprache mit denselben weiterzugeben.
    Und ich muß zugeben, daß es mich immer eher seltsam berührt, wenn ich über meine Eltern oder Großeltern (die alle 6 schon Jahre tot sind) bei anderen lese. Aber im Grunde finde ich auch keinen für mich plausiblen Grund für eine Zurückhaltung, auch wenn z. B. katholische Archive eine Schutzfrist von 120 Jahren bei Taufen vorsehen, in Adressbüchern aber Daten zeitnah zu haben sind.

    Grüße aus München
    Werner

  2. Ursula Holz sagt:

    Hallo Werner,
    ja, da gibt es unterschiedliche Meinungen. Allerdings bei Veröffentlichungen sollte man immer die rechtlichen Regelungen einhalten.
    Grüße Ursula

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