Auf den Spuren der Ahnen – Landesarchive als Fundgrube

von Ulf Lehnert (Lehrte)

Sicherlich hat der eine oder andere schon Erfahrungen gesammelt mit der Suche in Archiven, Bibliotheken, Pfarrämtern und auch im Internet auf einschlägigen Plattformen. Ist es doch das täglich Brot des Familienforschers, nicht nur reine Lebensdaten zu sammeln, sondern auch etwas über das Leben der eigenen Vorfahren zu erfahren.

Ich möchte deshalb die Gelegenheit nutzen, um auf Arcinsys, die gemeinsame Plattform der Landes­archive Niedersachsen und Bremen, Hessen und Schleswig-Holstein hinzuweisen. Natürlich sind im Augenblick die Lesesäle geschlossen, eine Internet-Recherche ist aber dennoch möglich. Über die Suchfunktion lassen sich alle vorhandenen Dokumente finden, einiges ist sogar schon digital direkt abrufbar. Sollte dies noch nicht der Fall sein und hat man ein Benutzerkonto einge­richtet und elektronisch, unter Angabe seines Forschungszieles, einen Nutzungsantrag gestellt, kann man die betreffende Archivale in einen der Lesesäle zur Einsicht bestellen. Angezeigt wird außerdem, in welcher Außenstelle die gesuchten Bestände gelagert werden und wo sie einsehbar sind.

Im LA Niedersachsen kauft man hierzu einen Benutzer-Pass für seinen Besuch vor Ort. Dort ist es mittlerweile auch erlaubt, die noch nicht digitalisierten Dokumente selbst, natürlich ohne Blitzlicht, abzufotografieren – ohne weitere Kosten. Dokumente, die bereits digita­lisiert wurden, kann man natürlich auch in Kopie erhalten. Hier fallen dann aber Gebühren an.

Niedersächsisches Landesarchiv in Hannover

Im LA Schleswig-Holstein geschieht die Erstellung von Kopien über einen Dokumenten-Scanner. Dort kauft man für wenig Geld einen USB-Stick, auf dem diese dann gespeichert werden. Pro Kopie fällt auch ein kleiner Obolus an, aber forschen ist eben auch mit ein paar Kosten verbunden. Die Mitarbeiter in beiden Archiven sind sehr nett und stets hilfsbereit.

In Hessen habe ich noch nicht vor Ort recherchiert, kann also über die Vorgehensweise dort leider noch nicht berichten. Inzwischen habe ich dort Hinweise zu meiner Urgroßmutter Pauline Margarete Watzke gefunden, ein erster Kontakt ist hergestellt. Sie ging, nachdem mein Urgroßvater im 1. Weltkrieg in Frankreich 1915 gefallen war, zurück nach Karlsbad in Böhmen, wo sie 1887 geboren wurde und heiratete erneut. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde sie, wie viele andere auch, gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.

Das Landesarchiv ist für mich immer wieder eine Fundgrube von Informationen. Konnte ich doch auf diesem Wege Gerichtsunterlagen zu meinem 6fachen Urgroßvater Otto Christoph Baeseler aus Wiedelah (heute zu Goslar gehörig), das Testament meiner 5fachen Urgroßtante Johanna Maria Elisabeth Baeseler (*21 März 1793 Röderhof bei Halberstadt, +20 April 1877 Hildesheim) und andere sehr aufschlussreiche Dokumente im Original einsehen und kopieren.

Die Spurensuche nach meinen Ahnen führte mich auch entlang des Grenzweges, der einst die innerdeutsche Grenze kennzeichnete, zum Grenzdenkmal Wülperode bei Wiedelah. In der Nähe, in Wolterberg, betrieb mein 6facher Urgroßvater eine Wirtschaft.

Weiterhin konnte ich für mich anhand der vorhandenen Literatur und Unterlagen in der Außenstelle Wolfenbüttel des LA Niedersachsen klären, dass es seit Mitte des 18. Jahrhunderts im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel ein Amt Achim (heute zu Börßum gehörig) gegeben hat, aus welchem meine Vorfahren aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich stammten, was ich, sobald hoffentlich die Lesesäle wieder öffnen dürfen, intensiver recherchieren möchte.

Auch Freunden in Übersee, die zu der Familie Beseler forschen und Nachfahren derselben sind, welche in der deutschen Geschichte durchaus eine nicht unbedeutende Rolle spielte, konnte ich auf diesem Wege weiterhelfen, fanden sich doch bisher nicht bekannte Tatsachen in den reichlichen Unterlagen der Landesarchive Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Aus dieser Linie seien nur genannt: Wilhelm Hartwig Beseler, 1848 Präsident der provisorischen Regierung in Schleswig-Holstein, Hans von Beseler, Generaloberst und Bezwinger von Antwerpen im 1. Weltkrieg, später Generalgouverneur des Generalgouvernements Warschau und sein Bruder Max von Beseler, preußischer Justizminister, so wie viele andere bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Geschichte aus dieser Familie.

Reventlou-Beseler-Denkmal vor dem Amtsgericht in Schleswig

Wie mir die Recherchen in den genannten Landesarchiven gezeigt haben ist die Suche dort nicht auf ein bestimmtes Forschungsgebiet beschränkt, sondern auch für Forschende aus anderen Regionen durchaus gewinnbringend.

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