Workshop “Hallische Heiratsgeschichten”

Katrin Moeller und Moritz Müller, Koordinierende des Kooperationsprojektes “Hallische Heiratsgeschichten”, wendeten sich im Februar an unsere Arbeitsgemeinschaft und warben um Unterstützung des Erfassungsprojektes. Citizen-Science-Projekte wie dieses unterstützen wir gern. Am 12. März 2021 fand der Workshop “Hallische Heiratsgeschichten” statt, der zur Vorstellung des Vorhabens genutzt wurde. Petra Seidemann-Matschulla nahm daran teil und fasste die Veranstaltung für uns zusammen. Wir werden das Projekt gern begleiten und freuen uns, wenn sich Mitglieder der AMF beteiligen.

Am digitalen Workshop zur Hallischen Heiratsgeschichte in der letzten Woche nahm ich teil, weil ich neugierig war, wie so ein Erfassungsprojekt funktioniert. Nach einer kurzen Vorstellung des Projektes zur Erfassung der Trauregister der Gemeinden St. Marien und St. Georgen Halle und der Erklärung des strukturpolitischen Kontextes zwischen Kirchenbuch und gesellschaftlichen Entwicklungen ging es in die Einzelheiten.

Interessant ist der aktuelle Zusammenhang zur heutigen Zeit: Anhand der bereits existierenden Datensammlung Heiratseinträge der Mariengemeinde 1670 bis 1820 wurde festgestellt, dass es immer nach Katastrophenjahren mit Pest, Krieg, Hungernöten oder Cholera in der Folge mehr Heiraten gab – ob das nach Corona auch der Fall sein wird?

Anhand eines Heiratseintrages wurden die essentiellen Informationen dieses Eintrages erklärt, also Namen der Eheleute, Alter, Heiratsdatum, Beruf, Religion, Eltern, Stand usw. Bereits hier kamen viele Fragen auf: Schreibt man ss oder ß? Wie wird zwischen Vater und Sohn getrennt, wenn beide den gleichen Namen haben? Was passiert mit Anmerkungen, in denen der Pfarrer vermutet, wer der Vater ist? Es gibt mehrere „Trauregister“ zum gleichen Zeitraum, welches wird erfasst?

Interessant war hier, dass es drei Fassungen gibt: das Original mit Originalunterschriften der Brautleute, allerdings schwer lesbar, eine Fassung, in der die Eltern des Bräutigams fehlen, gut lesbar und eine tabellarische Übersicht. Entschieden hat man sich für die gut lesbare Fassung, auch wenn es hier ein Manko gibt.

Weiter ging es mit einer praktischen Übung. Zu einem zuvor eingeblendeten Text wurden Fragen zur Lesbarkeit gestellt: Hieß der Bräutigam Stange, Hange oder Wange? Welchen Beruf hatte der Bürger? Herzoglicher Bauaufseher, Schiffseigenthümer oder Böttcher?  Welchen Stand hatte die Mutter der Braut? Verwitwet, verheiratet oder verstorben? Zum Schluss wurde beispielhaft ein Eintrag im Rollup eingegeben.

Mein Resümee: 63 Teilnehmer,  3 interessante und unterhaltsame Stunden, viel gelernt. Und auch, wenn ich selbst nicht zu den Erfassern gehöre, werde ich das Projekt beobachten und sehe gespannt den wissenschaftlichen Ergebnissen entgegen.

Die Beschreibung des Projektes mit den Editionsrichtlinien ist auch bei GenWiki zu finden.

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