Abenteuer Familienforschung (4)

Ein Forschungsbericht von Gisela Laudi (letzter Teil)

Im vorigen Beitrag erzählte ich, wie unsere Recherchen in Deutschland und Texas uns zu vielen weiteren Themen und Abenteuern führten. Und hier, zum Schluss der kleinen Serie, geht es um die Erlebnisse rund um die Veröffentlichung des Buches und um damit verbundene Ausstellungen.

Wie ging das Abenteuer Genealogie für uns weiter? Alle Recherchen flossen in mein Manuskript ein. Natürlich musste ich beim Schreiben um all die Daten und Fakten auch einiges an Phantasie häkeln. 1998 hatte ich das Manuskript fertig. Mir war klar: als „nobody“ würde es kaum möglich sein, dafür einen Verlag zu finden. Absagen von großen Verlagen folgten.

Aber ich hatte Riesenglück! Der Westkreuz-Verlag, Berlin/Bad Münstereiffel, wollte mein Buch verlegen!

Allerdings musste ich noch kürzen, und es gab noch einiges daran zu tun. Mein Mann Jürgen übersetzte derweil das ganze Manuskript ins Englische. Sarah Tubbe sammelte 120 Bestellungen in Texas. Die englischen im Selbstverlag verlegten Bücher „I am Justina Tubbe“ nahmen wir 1999 in prallgefüllten Koffern mit nach Houston.

Sarah hatte in Nacogdoches ein großes „get together“ organisiert. Mehr als 150 Nachfahren kamen von nah und fern, einer sogar mit eigenem Flugzeug aus Oklahoma.

Auf der Europakarte zeigten wir allen, wo das kleine Städtchen Oderberg liegt, von dem sie nun wissen, dass dort ihre Wurzeln sind. Alle lauschten unserem Bildervortrag von Oderberg „how sweet, and so old.“ Ich war „the cousin Laudi-Tubbe from Germany“, ich, die Kusine 7. Grades! Alle fanden es lustig, sich vorzustellen, wieviel Promille Blutsverwandtschaft das noch wären. Wir einigten uns lachend darauf: Wenn man es in Blutalkohol angäbe, wäre es noch ganz schön viel.

Einige Texaner begannen nun eine akribische Suche. Sämtliche Daten aller Nachfahren der TUBBEs wurden gesammelt und in zwei dicken Werken aufgelistet, finanziert von begeisterten Genealogen der weitverzweigten Familie.

Im März 2000 organisierten der Westkreuz-Verlag und mein Lektor Dr. Harro Hess eine großartige Buchvorstellung in Berlin. Im Glaspalst der URANIA hielten wir wieder einen Bildervortrag und machten mit Geige und Gitarre selbst ein wenig Westernmusik dazu.

Zwei Wochen später bekam ich einen Anruf von Dr. Wolfgang Grams: „Sie haben doch gerade eine Biographie geschrieben, für die Sie in der Uni Oldenburg Daten in den Mikrofilmen gesucht haben! Wir brauchen kurzfristig eine reale Beispiel-Person für die EXPO2000-Ausstellung in Bremerhaven. Daneben werden Marlene Dietrich, Pastorius, ein jüdisches Paar, Carl Schurz, auch die reale Person des Jörnjacob Swehn dargestellt. Bitte stellen Sie uns doch Ihre Unterlagen zur Verfügung.“

Posthum berühmt, Justina zwischen Carl Schurz und Marlene Dietrich – Ausschnitt aus dem Prospekt EXPO2000

Zur Eröffnung dieser Auswanderer-Ausstellung „Abenteuer Spurensuche“ wurden Reden geschwungen und der Bremer Bürgermeister ließ verlauten, dass auch geplant sei, ein großes Auswanderer-Museum in Bremerhaven zu errichten. In der EXPO2000-Ausstellung entwickelte sich Justina zur Lieblingsfigur der Besucher.

Justina Tubbe wurde auch im „Deutschen Auswandererhaus“ vorgestellt, zusammen mit 14 anderen Auswandererpersonen. Die Organisatoren schickten im Vorfeld eine Profi-Filmcrew nach Nacogdoches/Texas. Sie filmten den Briefschreiber John Tubbe mit seinem 13ährigen Enkelsohn VON TUBBE, wie sie über das vom damaligen Auswandererkind August Tubbe ererbte Land fuhren und stolz von ihrer Ahnin Justina sprachen – es wurde ein Teil des Films im Besucherkino.

Um die Bremerhavener neugierig auf den großen Neubau zu machen, gab es vorweg ein Riesenplakat mit Bild vom VON TUBBE, auf dem der Spruch stand: „This ist the Opa of my Opa and his Mama“ und: Abenteuer Auswandern in einer grandiosen Kulisse.

Im Sommer 2005 war es soweit. Die Museumsleitung lud zur offiziellen Eröffnung ein. Es kam VON TUBBE mit Mutter und seiner Oma Sarah Tubbe, meiner tüchtigen Mitforscherin. Wir durften zusammen als erste durch die Räume und konnten uns abends in der HEUTE-Sendung des ZDF sehen.

Jeder Besucher konnte nun in den nächsten Jahren mit einer Magnetkarte der JUSTINA TUBBE, oder einem der anderen Auswandererpersonen, durch die eindrucksvolle Ausstellung wandern und Infos und Orginal-Exponate anschauen.

Aus dem Zufallsfund eines Bleistift-Manuskripts ist durch das „Abenteuer Familienforschung“ mein historischer Roman geworden, über das Leben der Justina TUBBE, das ohne unsere Forschungen vergessen worden wäre – über Justina, die Ziehmutter und Tante meiner Ururgroßmutter.


Laudi Gisela: Justina Tubbe, Der weite Weg einer Brandenburgerin vom Oderbruch nach Texas, Bad Münstereifel 2000 (Westkreuz-Verlag).


Hiermit endet die Tubbe-Serie. Zuvor Teil 1Teil 2Teil 3


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