Der Gasthof in Romschütz

Von Rudolf Mäder

Es war in den 1960er Jahren als ich mit meiner Familie Urlaub im Erzgebirge machte. Bei einem Spaziergang kamen wir zu einem kleinen Restaurant, in dem nur wenige Spezialitäten angeboten wurden. Nicht aus Mangel, sondern gezielt zur Förderung des Umsatzes. Es gab zum Beispiel Heidelbeerkuchen. Das faszinierte mich so sehr, dass ich auch irgendwann ein kleines Restaurant mit wenigen aber ausgesuchten Spezialitäten eröffnen wollte. Wie kommt man auf so eine Idee? Waren vielleicht die geerbten Gene daran schuld?

Womöglich ist wirklich mein Ergbut der Grund für diesen Traum, denn im Laufe der Familienforschung, der ich mich seit nun fast 25 Jahren widme, stellte ich fest, dass viele Vorfahren väterlicherseits einen Gasthof besessen und betrieben haben. Dokumente aus dem Staatsarchiv Thüringen in Altenburg gaben mir einen Einblick in das Leben meiner Vorfahren. Der Gasthof in Romschütz war von 1711   an im Besitz der Familie Mäder, bis er schließlich 1837 verkauft wurde.

Nachfolgend eine Übersicht über die Reihenfolge der Besitzer.

Andreas Mäder kauft 1652 ein Pferdefrohngut mit  Brauhaus von den Erben seines Schwiegervaters in Lossen.

Der Sohn Andreas Mäder (7. Kind, 3. Sohn) tauscht 1706 das Pferdefrohngut in Lossen gegen ein Vorwerk in Altenburg. Er kauft von seinem Bruder 1710 in Altenburg ein Schenkhaus, genannt Kamprad, das er 1711 wieder verkauft. Ende 1711 erwirbt er in Romschütz das neu erbaute Schenkhaus. Er borgt verschiedentlich Geld, schließlich wird das Schenkhaus 1728 wegen Überschuldung zwangsversteigert.

Andreas Mäders Sohn Hans Paul (3. Kind, 3. Sohn zweiter Ehe) taucht dann als Besitzer auf. Aber auch dieser borgt wiederholt Geld

1773 verkauft Hans Paul Mäder das Gast- und Wirtshaus mit Schenkgerechtigkeit an seinen Sohn Melchior Mäder

1793 erwirbt Gottfried Mäder, 1.Sohn zweiter Ehe von Melchior Mäder, den Gasthof in Romschütz.

Dieser verkauft den Gasthof mit allem Zubehör außerhalb der Familie Mäder 1836 an das Ehepaar Eva und Jakob Kunze.

Die Besitzer des Gasthofes hatten ständig mit Geldproblemen zu kämpfen, mussten wiederholt Geld borgen, bis zur Zwangsversteigerung wegen Überschuldung . Rückwirkend gesehen ist es vielleicht gut, dass der Traum von einem eigenen Gasthof nicht Realität wurde, denn sonst wäre ich vielleicht auch in die Schuldenfalle geraten.

Bei der Familienforschung kam ich zu dem Ergebnis, dass der Gasthof in Romschütz (Altenburger Land) über 126 Jahre im Besitz meiner Vorfahren war. Er wurde jeweils von Söhnen gekauft, bis er schließlich 1837 außerhalb der Familie verkauft wurde. Wahrscheinlich habe ich einige Gene bezüglich „Gasthof“ geerbt, denn als junger Mann hatte ich den Traum, mal einen Gasthof zu betreiben. Zum Glück ist das nicht umgesetzt worden, denn vielleicht wäre es mir dann so ergangen, wie meinen Vorfahren, die sich ständig Geld borgen mussten.

Auf einer Postkarte von 1920 ist der Gasthof mit abgebildet.

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