Zur Herkunft der Forker

Von Joachim Forker

Die ersten deutschen Forker

In der Gegend rund um sie sächsische Stadt Stolpen, etwa 35 Kilometer östlich von Dresden gelegen, sind die ersten Vertreter der Familie Forker auf deutschsprachigem Gebiet nachgewiesen. Wer sich mit den Wurzeln der Familie beschäftigt, landet früher oder später immer im heutigen Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf, in der Burgstadt selbst, in Lauterbach und Polenz.

Kartenausschnitt aus der Wanderkarte der Sächsischen Schweiz, „Stolpen und das Stolpener Land“ mit freundlicher Genehmigung von Dr.-Ing. Rolf Böhm

Im Amtserbbuch von Stolpen aus dem Jahre 1559 mit etwa 50 umliegenden Orten sind in den Orten Langenwolmsdorf und Lauterbach 11 bzw. 7 Bauernfamilien Forker zu finden.

Zu Beginn der Kirchenbuch-Registrierung in Langenwolmsdorf um das Jahr 1607 sind dort neun Bauernfamilien Forker mit verschiedenen Schreibweisen nachgewiesen: Forgwar, Forgkwer, Forgwer, Forckwer, Forcker, Furker. Ab 1750 wurden Familienvertreter nur noch Forker/t oder selten als Furker/t geschrieben.

Zu den ältesten überlieferten Ahnen aus Langenwolmsdorf gehören:

  • der „obere Müller“ Matthes Forker (*um 1554, † 04.12.1634),
  • der Leinweber Urban Forker(*um 1556, † 27.06.1617)
  • der Bauer und Gerichtsschöffe Antonius Forker sen. (*um 1559, † 02.12.1617)

Weitere noch früher genannte Forker in Langenwolmsdorf sind: Nikolaus (*1470), Blasius (*1505), Kilian (*1525), Caspar (*1530), Bastian (*1537) und Nickel (*1550).

Aus dem Kirchenbuch Lauterbach wissen wir von Mattheus Forker, der am 8. Dezember 1633 im Alter von 71 Jahren der Pest erlag, wie auch seine Frau.

Die Dorfchronik von Polenz gibt uns Kunde vom Dorfältesten Nickel Forker (* 1540) und in den Kirchenbüchern von Neustadt in Sachsen finden sich Einträge über ihn und seine Kinder – Geburten, Heiraten und Sterbefälle aus dem Zeitraum 1578 bis 1593.

Zur Bedeutung des Namens

Ausgehend von der Annahme, dass der Familienname Forker auf die Berufsbezeichnung von Leuten zurückgeht, die Heu- oder Mist-Gabeln herstellten, wundert es, dass der Name nicht schon früher in weiten Teilen Deutschlands Verbreitung gefunden hat, wie das beispielsweise bei Berufsnamen wie Schmied, Schuster, Müller und Meier der Fall war.

Folgend möchte ich eine Theorie zur Herkunft des Namens vorstellen, die mir viel plausibler erscheint und darauf gründet, dass die Forker schottische Wurzeln haben.

Ein alter schottischer Name ist Farquhar, abgeleitet vom gälischen Namen Fearchar, der so viel wie “dear, beloved man” (geliebter, teurer Mann) bedeutet . Die Farquahrs sind Nachfahren von Farquhar Macintosh, einem Enkelsohn des Gutsherrn von Macintosh, welcher schon vor 1382 in Braemar in den schottischen Highlands lebte.
Forker, abgeleitet vom gälischen Mac Fhearchair (Sohn des Farquahr/Farquhar), ist auch der Name, der von Vertretern des alten Stammes der Strathclyde aus dem englisch-schottischen Grenzland getragen wurde. Robert Farquhar, Lord von Gilmilnescroft in der Region Skyle Stewart, war um 1350 deren erstes überliefertes Familienoberhaupt.

Ein Blick in die Geschichte der Schotten zeigt, dass diese weit über ihre Landesgrenze hinaus agierten. Schottische Handelsleute unterhielten bereits ab dem 13. Jahrhundert Beziehungen über Belgien und die gesamte Ostseeküste nach Brandenburg, Preußen und ins Baltikum. Als Hausierer, später Händler und Siedler, verbreiteten sie sich in Polen und Schlesien und ließen sich beispielsweise in Posen, Lublin und Lissa nieder, wo der Name Farquhar im 17. Jh. wiederholt belegt ist. In dieser Zeit lebten 35000 Schotten in Polen und Schlesien.

Auch zur Stolpener Gegend unterhielten Händler von außerhalb des europäischen Festlandes schon vor dem Dreißigjährigen Krieg Beziehungen. 1616 wurde die Hospitalkirche der Burgstadt von Grund auf neu erbaut. Die Baukosten deckten Legaten englischer Kaufleute, an welche von Stolpen aus Leinwandwaren gesandt wurden.

Wappen der Forker, gestiftet am 20. April 1939  von J. Paul Forker

Wenn wir bedenken, dass bis etwa 1530 unser Familienname in der Regel in aller Regel mündlich weitergegeben wurde und die Schreibweisen in den ersten schriftlichen Quellen nicht selten dem Gehörten entsprachen, ist nicht abwegig, dass es der schottische Name Farquhar war, der in den Langenwolmsdorfer Quellen als Forker geschrieben wurde.

Vielleicht lässt sich das Rätsel um die Herkunft des Familiennamens Forker anhand neuer Quellen oder Forschungsmethoden (DNA-Genealogie) künftig noch endgültig lösen. Eine ausführlichere Schilderung zum Vorkommen der ersten deutschen Forker, weitere Erläuterungen zu Herkunft und Schreibweisen des Familiennamens sowie benutzte Quellen sind auf dieser Seite zu finden.

Der Familienverband Forker wurde 1938 in Dresden gegründet und hat seit 1985 seinen Sitz in Düsseldorf. Der Verband, dem sich etwa 1700 in Deutschland lebende Forker, Forkert, Furker und Furkert angeschlossen haben, trifft sich alle drei Jahre im Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf. Der Verband unterhält ein Familienarchiv mit einer bis 1470 zurückreichenden Genealogie. Die bisher ermittelten ca. 7500 Nachfahren leben auch in den USA, in Australien und Uruguay, aber vor allem in Deutschland. Weitere Informationen sind unserer Website zu entnehmen.

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