Newsblog “Ortsfamilienbücher-News”

Mit dem Hinweis auf die Veröffentlichung des Online-OFB Sterley ging der Blog “Ortsfamilienbücher-News” am 11. Mai 2020 an den Start. Über die Bedeutung von OFBs für uns Ahnenforschende haben wir bereits geschrieben.

Wir möchten an dieser Stelle gern das tolle OFB-Portal und den Mann dahinter vorstellen und freuen uns, dass sich Michael Johne unseren Fragen gestellt hat.

Foto: Michael Johne

Herr Johne, Was ist das Ziel Ihres Internet-Blogs? Welche Inhalte wollen Sie den Leserinnen und Lesern zur Verfügung stellen?

Der Newsblog ist in erster Linie eine Informationswebseite über aktuelle Ortsfamilienbücher in gedruckter Form und in Online-Fassung. Desweiteren wurde der Newsblog (im Laufe der Zeit) um einige relevante Meldungen über Abschriften von Personenstandsregistern oder Kirchenbüchern erweitert. Ich denke sogar darüber nach, in einem begrenzten Umfang auch Ortschroniken mit aufzunehmen.

Dem interessierten Leser vermittelt der Newsblog, welche Ortsfamilienbücher aktuell erschienen sind oder demnächst sogar erscheinen werden. Das mag für Familienforscher wichtig sein, die über einen bestimmten Ort ihrer Vorfahren forschen wollen. Jeder Beitrag beschreibt zunächst einmal den Ort, vom dem das Ortsfamilienbuch handelt und stellt relevante Informationen über das Ortsfamilienbuch zur Verfügung. Zudem wird ein geschichtlicher Abriss über den jeweiligen Ort mit beigefügt, der informativen Charakter hat und bei Bedarf gelesen werden kann, damit der Leser einen Einblick in die Geschichte des Ortes erhält. Schließlich wird der typische Beitrag durch mehrere weiterführende Quellen abgeschlossen.

Grundsätzlich gehe ich bei dem Verfassen von Beiträgen immer davon auch, dass es Leser gibt, die manche Orte nicht kennen. Daher versuche ich die Beiträge so ausführlich wie nötig zu verfassen, damit der Leser alle relevanten Informationen erhält.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine solche Website ins Leben zu rufen?

Für diese Beantwortung muss ich ein wenig in meine persönliche Ahnenforschung ausholen. Einige meiner Vorfahren kommen aus Prinzenthal (polnisch: Wilzcak). Prinzenthal war früher ein Vorort der Stadt Bromberg (polnisch: Bydgoszcz) gewesen und ist heute ein kleiner Stadtteil in dieser Stadt. Um nach potenziellen und bisher nicht bekannten Familienmitgliedern dieser Vorfahren zu suchen, verwende ich die polnische Webseite Genealogia w Archiwach. Ich war gewissermaßen gezwungen, mir den kompletten Bestand für Prinzenthal Seite für Seite durchzublättern, um die früheren Familienmitglieder zu finden. Dabei kam mir die Idee, Abschriften der Einträge tabellarisch festzuhalten. Man kann sagen, das Interesse an Ortsfamilienbüchern war in seiner Grundform bei mir gebildet worden. Das war nun vor 4-5 Jahren gewesen.

Für andere Recherchen verwendete ich die Online-OFBs, die beim Verein für Computergenealogie gehostet sind. Ich beschäftigte mich mehr und mehr mit Ortsfamilienbüchern, bis dann irgendwann die spontane Idee aufkam, einen Newsblog über Ortsfamilienbücher zu erstellen. Ich glaube, einen solchen gab es bisher noch nicht im deutschsprachigen Raum.

Wie lange dauerte es, bis der Blog auf die Beine gestellt war?

Bis zur vollzogenen Umsetzung – also der Zeit von der Idee des Newsblogs bis zur fertigen Webseite – dauerte es nicht lange. Es waren nur ca. 2 Wochen gewesen (Anfang Mai bis Mitte Mai). In der ersten Woche holte ich mir ein paar Meinungen, ob so eine Unternehmung sinnvoll wäre. In der zweiten Woche beantragte ich die Domain (d. h. die Internetadresse) und richtete die Webseite ein. Viele Maßnahmen bezüglich der Einrichtung der Webseite bedurfte es nicht: es reichte ein einfaches und passendes Theme, ein paar bekannte Plugins für die Sicherheit etc. und meine Quellen, die ich zum Recherchieren hatte. Der Rest entwickelte sich mit der Zeit automatisch.

Woher bekommen Sie Ihre Informationen?

Meine Hauptquelle für Online-OFBs ist zunächst einmal das Projekt “Online-Ortsfamilienbücher” vom Verein für Computergenealogie. Weiterhin verwende ich die Liste der deutschsprachigen Genealogieblogs von Timo Kracke, um die passenden Meldungen für meinen Newsblog herauszufiltern. Zudem nutze ich so ziemlich alle Fanseiten von genealogischen Vereinen, Unternehmen, Projekten etc. auf Facebook (ja, ich habe alles auf Facebook abonniert), um diverse Meldungen und Neuigkeiten zu erfahren.

Es gibt aber auch noch viele Meldungen, die es nicht in Facebook oder die Blogliste von Timo Kracke hineinschaffen. Das sind die Meldungen über einige gedruckte Ortsfamilienbücher, die meist aus der lokalen Presse verteilt in Deutschland stammen. Um dies alles zu erhalten, verwende ich den Google-Dienst “Alerts”. Bei diesem Dienst kann man diverse Schlagwörter/Suchbegriffe eintragen, bei denen man dann benachrichtigt wird, sobald eine Webseite in den Suchindex von Google Einzug hält, die dieses Schlagwort bzw. Suchbegriff enthält. Da Google relativ sehr schnell Meldungen aus der Presse in den Suchindex aufnimmt, wird man auch dementsprechend schnell darüber informiert, ob beispielsweise eine neue Pressemitteilung über das Ortsfamilienbuch von Kleinkleckersdorf verfasst worden ist. 

Betreiben Sie den Blog allein oder haben Sie fleißige Helfer?

Den Newsblog betreibe ich bislang allein.

Ihre Blog-Einträge beinhalten nicht nur Verweise auf neue OFBs, Sie stellen die behandelten Orte näher vor, geben auch weiterführende und verwendete Quellen an. Bekommen Sie dafür Zuarbeiten oder recherchieren Sie selbst?

In der Regel recherchiere ich alles selbst. Meist sind die Information auf anderen Seiten wie dem GenWiki oder in Wikipedia bereits verfügbar, die ich einfach nur noch zusammenfüge. Nur bei Meldungen, die ausschließlich aus der lokalen Presse kommen, muss ich entsprechend aufwendiger recherchieren. Oft ist es auch so, dass Kontakt mit dem jeweiligen Verlag oder dem entsprechenden Autor eines gedruckten Ortsfamilienbuchs aufgenommen wird, um weitere Informationen wie das Bild eines Buchcovers, Seitenzahl, Anzahl der Personeneinträge, inhaltlicher Aufbau des Buchs etc. zu erhalten. Solche Informationen sind meiner Meinung nach wichtig für den öffentlichen Erscheinungshinweis auf ein Ortsfamilienbuch, werden jedoch in vielen Fällen nur teilweise bereitgestellt, so dass weitere Recherchen unumgänglich sind.

Nutzen Sie auch Social Media, um auf Ihre Beiträge hinzuweisen?

Ja, Social Media verwende ich, um auf meine Beiträge hinzuweisen. Facebook ist beispielsweise hierfür ein großes Drehkreuz für die Verbreitung von Beiträgen aus meinen Newsblog. Daneben gibt es auch noch Twitter, Telegram, Instagram und selbstverständlich auch den RSS-Newsfeed.

Benötigen Sie zum dauerhaften Betrieb des Blogs Unterstützung? Wenn ja in welcher Form?

Unterstützung personeller Art benötige ich bislang nicht. Für Beiträge von Gastautoren habe ich dennoch ein offenes Ohr, z. B. über fehlerhafte Einträge in einem bestimmten Ortsfamilienbuch, wiederkehrende Rezensionen, bestimmte Kolumnen etc. Unterstützung finanzieller Art ist natürlich gern willkommen via Paypal, Patreon, Steady oder Flattr.

Mittelfristig plane ich auch einen Screencast und Podcast mit Rezensionen von Ortsfamilienbüchern. Falls mir jemand relativ aktuelle Rezensionsexemplare erschienener Ortsfamilienbücher zu Verfügung stellen kann, wäre das echt toll.

Wie ist aus Ihrer Sicht die aktuelle Verteilung von gedruckten und Online-OFBs? Was überwiegt?

Gemessen an der Verteilung in der Anzahl würde ich sagen, dass ganz klar die gedruckten Ortsfamilienbücher überwiegen. Wenn man die Anzahl der Einträge von Ortsfamilienbüchern im GenWiki zugrunde legt, dann zeigt sich, dass man für Online-OFBs auf ca. 780 Einträge kommt, für gedruckte Ortsfamilienbücher jedoch auf 3400-3500 (nach Abzug der Anzahl der Online-OFBs von der Gesamtanzahl).

Wie ist Ihrer Meinung nach der Trend, haben gedruckte OFBs eine Zukunft, oder wird perspektivisch nur noch online gearbeitet?

Gedruckte Ortsfamilienbücher haben natürliche eine Zukunft und diese Art von Familienbüchern wird es auch weiterhin geben; solange es Bücher in gedruckter Form generell gibt. Online-OFBs sind zudem eher als Bereicherung für die Recherche in der Genealogie zu verstehen als ein Konkurrenzprodukt zum gedruckten Ortsfamilienbuch. Online-OFBs haben natürlich den entscheidenden Vorteil, dass mit diesen entscheidend schneller gearbeitet und recherchiert werden kann. Doch der gepflogene Umgang liegt meiner Meinung nach ganz klar bei gedruckten Ortsfamilienbüchern.

Seit wann betreiben Sie selbst Ahnenforschung? Arbeiten Sie an OFBs oder haben sogar schon welche veröffentlicht?

Ahnenforschung betreibe ich seit ca. 2010. An Ortsfamilienbüchern – genauer: Online-OFBs – arbeite ich ebenfalls. Mein erstes Online-OFB – das Online-OFB “Hamm” – wurde vor kurzem veröffentlicht. Es handelt sich um die Übertragung von Abschriften aus dem so genannten HammWiki (ein Wiki mit Einträgen über die Stadt Hamm) von den existierenden Kirchenbüchern der Kirchengemeinden Hamms, die im Laufe der Zeit von Dr. Detlef Berntzen verfasst worden sind.

Weiterhin arbeite ich an den Abschriften und an der anschließenden Zusammenstellung zu einem Ortsfamilienbuch für die Ortschaft Prinzenthal (polnisch: Wilzcak), die früher ein Vorort der Stadt Bromberg (polnisch: Bydgoszcz) war und heute ein kleiner Stadtteil ist. Zudem arbeite ich an einer Umsetzung des gedruckten Ortsfamilienbuchs “Schriesheim” vom Autoren Karl Schuhmann als Online-OFB.

Es gibt noch weitere Ideen, die allerdings noch nicht konkret geplant sind. Generell arbeite ich bei der Erstellung von Ortsfamilienbüchern intensiv mit Notizen, die man anlegen kann. Hierzu verwende ich förderlich redundante Notizen oder wende die Technik von doppelt verketteten/verweisenden Notizen an.

Wir danken Michael Johne für die Beantwortung unserer Fragen und wünschen ihm für die weitere Arbeit Durchhaltevermögen und breite Unterstützung – und uns allen natürlich noch jede Menge Ortsfamilienbücher!

Daniel Pfletscher

Daniel Pfletscher

Mitglied AMF 2529, GFF 2698

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2 Antworten

  1. Anja sagt:

    So ein Interview ist ein wirklich guter Einblick. Vielen Dank an Michael für die tolle Arbeit!

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