Zusammenarbeit von Arbeitskreis und AMF-Archiv – der Nachlass Manfred Kunath

Moßbach, Reinsdorf, Dreitzsch, Chursdorf, Schmieritz, Weltwitz, Traun, Arnshaugk und Moderwitz – kleine Dörfer, manche nur wenige Häuser umfassend, sind wohl jedem Genealogen, der im Orlagau forscht ein Begriff. Die Region zwischen Saale und Orla im südöstlichen Thüringen wird bei der AMF, was das Material und die Veröffentlichungen angeht, gern als weißer Fleck im Forschungsgebiet bezeichnet. Doch neben einigen vorhandenen AMF-Publikationen gibt es auch versteckte Schätze im AMF-Archiv, die über die Online-Datenbank zu finden sind. Einiges an Material ist für die Mitglieder des AMF-Arbeitskreises Saale-Orla, den Daniel Pfletscher und ich 2015 gemeinsam gründeten, von besonderem Interesse: der Nachlass von Manfred Kunath.

Manfred Kunath gehörte zu jenen ambitionierten Familienforschern, die Jahre ihres Lebens in das Erforschen und Entdecken von Vorfahren, Familienverbindungen und Ortschaften in der Region investiert haben. Er sammelte Literatur und Auszüge aus Zeitschriften, tauschte sich mit anderen Forschern aus und sichtete bei unzähligen Besuchen in Pfarrämtern die Kirchenbücher. Akribisch erstellte er in mühevoller Handarbeit zahlreiche Übersichten zu in Kirchenbüchern ausgewählter Ortschaften enthaltenen Personen mit Geburts-, Sterbe- und Hochzeitsdaten; auch sind für manche Orte Listen mit einheimischen und auswärtigen Taufpaten vorhanden.

Auszug aus der alphabetischen Aufstellung aller Personen aus dem Kirchenbuch Chursdorf 1670-1799

Gern bereit, seine Forschungsergebnisse zu teilen, gab er bereits zu Lebzeiten immer wieder Unterlagen ins AMF-Archiv nach Leipzig. Nach seinem viel zu frühen und unerwarteten Tod im Mai 2015 kamen noch weitere Unterlagen hinzu, die jedoch noch nicht erschlossen sind. Bei einer Archivaktion des Arbeitskreises Archiv, in dem ich seit 2013 Mitglied bin, wurde dieses „neue“ Material vorsortiert, von Metallteilen befreit, Folien entfernt und in sog. Jurismappen in Archivkartons verstaut. Anschließend wurde eine grobe Verzeichnung in der Bestandsdatenbank des Archives vorgenommen.

Screenshot aus dem Katalogisierungsprogramm FAUST

So schlummerte das Material wieder eine ganze Weile im Magazin, bis ich schließlich Mitstreiter fand, die sich der Herausforderung stellen wollten, den Nachlass Stück für Stück zu sichten. Wie sich herausstellte, reicht es dabei nicht, sich des noch nicht verzeichneten Materials anzunehmen. Auch das bereits im Archiv vorhandene Aktenmaterial muss bei der Bearbeitung mit eingebezogen werden, da die Verzeichnung und Aufbewahrung nicht optimal ist. Im Archiv wurde zunächst eine Vorsortierung vorgenommen, um eine Reihenfolge festzulegen. Dann wurde die erste Kofferraumladung mit Unterlagen von Leipzig in den Saale-Orla-Raum gebracht und zwischengelagert.

Nach und nach wird das Material nun gesichtet, paginiert und die einzelnen Akten auf eine Schlauchbindung aufgefädelt oder in einer Jurismappe gesichert. In einem weiteren Arbeitsschritt wird mit bereits von Herrn Kunath angefertigten Digitalisaten abgeglichen, Fehlendes eingescannt und mit einem Titel versehen. Auch förderte die Sichtung doppelt vorhandenes Material zu Tage. Dieses wird angesichts der angespannten Platzsituation im Archiv aussortiert.

Wie geht es dann weiter? Die Unterlagen von Manfred Kunath sollen anderen Forschern helfen, die eigenen Forschungen zu bereichern und zu ergänzen. Ich selbst konnte noch zu seinen Lebzeiten Ahnengleichheit feststellen. Unsere gemeinsamen Vorfahren sind Georg Geißler (getauft am 19.4.1629 in Weltwitz, bestattet am 29.3.1713 ebenda) und Barbara Nelner (getauft am 2.2.1635 in Weltwitz, bestattet am 20.4.1720 ebenda). Für Manfred Kunath sind das Oberurgroßvater und Oberurgroßmutter (9. Generation) und für mich sind es Stammgroßvater und Stammgroßmutter (11. Generation). Mit seiner persönlichen Hilfe und seinen Forschungsunterlagen gelang es mir, diesen Zweig bis zur 14. Generation zurückzuverfolgen bzw. abzugleichen.

Graphische Darstellung der Ahnengleichheit

Die Materialien aus dem Nachlass können auch die Arbeit des Arbeitskreises bereichern, z.B. in Form von Projekten. Seine Auswertungen fließen z.B. auch in die Zusammenstellung aller Schäfer, Hirten und Hutleute der Region ein und wer weiß, vielleicht kann in Zukunft auch noch das ein oder andere Ortsfamilienbuch daraus entstehen.

Wie der Blog-Beitrag von Steffen Mücke über den Nachlass Heynig soll auch dieser Artikel Mitglieder und Arbeitskreise dazu ermuntern, die Schätze unseres Archivs zu entdecken und dabei zu helfen, neu eingeliefertes aber auch bereits vorhandenes Material (besser) zu erschließen.

Denn nur was gut erschlossen ist, kann bei Recherchen auch gefunden werden und somit als Grundlage für weitere Forschungen dienen.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 × 3 =