Genealogie ist auch nicht mehr das, was sie einmal war 😉

Wir könnten auch mit Bob Dylan in den Song einstimmen: The times, they are changing. Dass die Zeiten sich Ă€ndern und wir mit ihnen, das ist eine unabĂ€nderliche Gewissheit. Obwohl wir wissen, dass die Zeit nicht stillsteht, wollen wir es nicht gerne wahrhaben. Denn VerĂ€nderung kann verunsichern. Aber spĂ€testens aus der zeitlichen Distanz wird VerĂ€nderung zur augenscheinlichen Tatsache, der sich entgegenzustemmen nichts nĂŒtzt.

Nehmen wir einmal an, wir wĂ€ren Genealogen, ohne genau zu wissen, was einen Genealogen ausmacht. Dann fangen wir zur Selbstvergewisserung unseres Tuns am besten einmal damit an, vorgefundene Begriffe auf Inhalte zu hinterfragen. Sind wir Ahnenforscher, historische Familienforscher, Familiengeschichtsforscher, Heimatforscher, Altgenealogen, Hobbygenealogen, GeschichtenerzĂ€hler, Buchautoren oder eine Kombination aus mehreren? Haben Begriffe im Laufe der Zeit ihre Bedeutung geĂ€ndert? Machen Genealogen noch dasselbe wie vor hundert Jahren? Sollen sie sich an Regeln vom Beginn des letzten Jahrhunderts halten? DĂŒrfen Familienforscher verschiedene Ziele haben?

Solche und weitere Fragen löst der an prominenter Stelle unserer letzten ZMFG erschienene Beitrag: Aktuelle Probleme der Genealogie und die „Leipziger Richtlinien“ aus.  

Familienforschung ist ein komplexes Universum mit einer Vielzahl von Aspekten. Da ist z.B. die Entwicklung des Handwerkszeugs von der handgeschriebenen Aufzeichnung ĂŒber das Typoskript zu Textanwendungen und archivfĂ€higen elektronischen Dokumenten, wie PDFA/1. Aus Abschriften auf Karteikarten wurden Scans & Digitalisate. Was frĂŒher per Ahnenumlauf mit Brief weitergegeben wurde steckt heute in einer elektronisch ĂŒbermittelten GEDCOM-Datei.

Image by dandelion_tea from Pixabay

Und dann die Erosion von Begriffen, die wir ĂŒber lange Jahre fĂŒr unverĂ€nderlich gehalten hatten! Der aufgeweichte und damit zum unverbindlichen Allgemeinbegriff gewordene Stammbaum. Hatte mein Großvater, als er mir zusammen mit einem auf Englisch geschriebenen Brief den in der Familie ĂŒberlieferten „pedigree“ schickte, also eine „line of descent“ und „genealogical table“ (nach Collins English Dictionary), mir nun eine Ahnentafel oder eine Stammlinie (Wikipedia) geschickt? Was mir schon im letzten Jahrhundert nicht so wichtig war, hat mit InternationalitĂ€t und PopularitĂ€t von Familienforschung/Family Research seine scharfe deutsche Begrifflichkeit eingebĂŒĂŸt. Ob wir das nun mögen oder nicht, wir mĂŒssen damit leben. Und wir können es.

Bisher war von Form und Begriffen die Rede. Wenn deren Verfall beklagt wird, ist nach meiner Beobachtung meistens ein QualitĂ€tsverfall der Forschungsinhalte/-ergebnisse mitgemeint. Das mĂŒssen wir aber trennen. Gestern wie heute gab und gibt es darin große Unterschiede, die wenig mit der Form zu tun haben. Was heute an beklagenswerten Fehlern im Netz verbreitet wird, findet sich ebenso in BĂŒchern in unseren Bibliotheken. (Die Fehler unterscheiden sich aber natĂŒrlich im Ausmaß ihrer Verbreitung.) Und noch eine Klage thematisiert nichts Neues. Was heute nach einem Forscherleben im Container landet, verrottete und verstaubte gestern, als es diese RĂ€ume noch gab, in Kellern und auf Dachböden.

Ich beende diese Zeilen mit dem Slogan einer bekannten TV-Talkmasterin: Wir mĂŒssen reden! NatĂŒrlich nur, wenn es ein BedĂŒrfnis dazu gibt.

Image by Steve Buissinne from Pixabay

Mit welchem Ziel betreiben wir heute Genealogie? Können wir Familien- und Heimatgeschichte besser verbinden? Wie sollten wir unsere Orte verwalten? Gibt es genealogische Standards und welche brauchen wir heute? Darf Familienforschung etwas kosten, und ist alles Kommerzielle böse? Wie und wo dokumentieren wir unsere Ergebnisse? Warum werden so viele Forschungen niemals öffentlich? Wie publizieren wir?

Wenn dies Themen sind, die auch Sie bewegen oder zu denen sie etwas beitragen mögen, schreiben Sie uns unter blog@amf-verein.de. Gerne veröffentlichen wir Erfahrungen, Hinweise und Tipps auch hier im Blog.

Peter Teuthorn

Peter Teuthorn

Mitglied: AMF 2010 / SHFam 1291 / CompGen 3116 / Mehr ĂŒber ihn und seine Forschung unter http://wiki-de.genealogy.net/Benutzer:Teuthorn

Das könnte dich auch interessieren â€Š

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

9 + zehn =