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Jahrestreffen 2019 04.-06. Oktober 2019 (vgl. TA/TLZ 07.10.2019)

Beim ersten Blick in das Gemeindehaus St. Martin am Samstag könnte man meinen, man sei in eine LAN-Party gestolpert. Bei näherer Betrachtung stellt sich aber schnell heraus, dass die Menschen, die hinter den vielen Monitoren sitzen, ein bisschen zu alt sind, um Computerspiele gegeneinander in einem Netzwerk zu spielen.

„Heutzutage schleppt niemand mehr seine Akten unter dem Arm her“, sagt Marcellinus Prien. „Die Daten sind alle auf Computern.“ Die Daten, die er meint, sind vor allem Namen, Geburts-, Tauf-, Hochzeits- und Sterbedaten, und sie gehören den Vorfahren derjenigen, die sich da munter im Gemeindehaus unterhalten.

Das 26. Treffen des Arbeitskreises Eichsfeld der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung in Heiligenstadt, das Marcellinus Prien seit 1994 organisiert, fand auch in diesem Jahr wieder großen Zulauf. Gut 60 Geschichtsinteressierte kamen am Wochenende nach Heiligenstadt.

Rita Häger (2. von links) aus Duderstadt trifft sich einmal mit Monat mit ihrem Arbeitskreis in Duderstadt. Sie ist zum elften Mal beim Jahrestreffen in Heiligenstadt und nutzt die Möglichkeit zum Austausch.
Foto: Johanna Braun

Nach einer Burgführung auf dem Scharfenstein am Freitag ging es am Samstag vor allem um den Austausch. Auch recherchierten die Anwesenden zum Beispiel in den Kirchenbuchverkartungen oder Ortsfamilienbüchern des Eichsfeldes. Sie wohnen zum Teil noch im Eichsfeld, manche hat es aber auch quer über die Republik verschlagen. Aber einmal im Jahr kommen alle die in Heiligenstadt zusammen, die nach ihren Ahnen forschen wollen.

Sinn und Zweck des Treffens sei es, so erklärt es Marcellinus Prien, die Familienforschung zu fördern und einander dabei behilflich zu sein. Hilfreich sind dabei auch die Ortsfamilienbücher, die anhand der Kirchenbücher eines Ortes zusammengestellt wurden. Gut 40 davon gebe es bereits, ganz neu dabei ist das von Bilshausen. Was aber vor allem bei der Recherche hilft, sei, so der Organisator, miteinander zu reden. „Wir haben hier schon oft Verwandtschaftsverhältnisse unter den Teilnehmern aufgedeckt“, sagt er. Das Stichwort heiße Schwarmwissen, denn irgendwer aus der Runde könne fast immer helfen. Und genau das ist es, was auch erwünscht ist: „Wir wollen, dass Leute ihr Wissen teilen“, sagt Marcellinus Prien.

Abgeschlossen sei Ahnenforschung nie so richtig, denn wenn der enge Stammbaum erkundet ist, gebe es ja immer noch Nachfahren der äußersten Äste. Da kommen unvorstellbare Datenmengen zusammen. Rita Häger aus Duderstadt zum Beispiel hat über 72.000 Personen in ihrer Ahnendatei – ein breiter Stammbaum. Sie nimmt nicht nur an den Jahrestreffen des Arbeitskreises teil. An jedem ersten Montag im Monat treffen sich sie und einige Mitstreiter, um 19.30 Uhr im Elferratskeller in Duderstadt, um Themen zu bearbeiten und Vorträge zu hören. Entstanden ist diese Arbeitsgruppe aus einem Volkshochschulkurs, der darüber informierte, wie man an Informationen zur Ahnenforschung herankommt. Rita Häger nimmt zum elften Mal am Jahrestreffen teil.

Drei Stühle weiter sitzt Matthias Heidenblut aus Geisleden. Er hatte damals mit dem Stammbaum der Oma begonnen. Die war 1916 geboren, und da man im Nazi-Regime einen Ahnenpass haben musste, um nachzuweisen, dass man keine jüdischen Vorfahren hat, gingen die ersten Recherchen recht leicht von der Hand. „Dann fragt man rum und schreibt erst mal alles auf. Aber irgendwann wird die Menge der Daten unüberblickbar“, sagt er und kommt auf die verschiedenen PC-Programme zu sprechen, die eine Strukturierung vereinfachen. Das Problem aber sei, dass fast jeder ein anderes Programm benutze und eine Datenübertragung so manchmal kompliziert wird. Matthias Heidenblut benutzt zum Beispiel fünf Programme parallel.

Ahnenforschung sei ein zeitaufwendiges Hobby, so der Berufschullehrer. Er nutze die Abende und vor allem die Ferien für seine Recherchen. „Manchmal ist das wirklich mühsam, aber man kämpft sich Schritt für Schritt durch, und es ist immer ein unheimlich tolles Gefühl, wenn man ein Stück Geschichte ausgegraben hat, welches zur eigenen Familie passt.“

Werner Fischer aus Kirchworbis vergleicht die Ahnenforschung mit der Suche nach kleinen Mosaiksteinen, die irgendwann ein großes Bild ergeben. Er betreibt diese Suche bereits seit 30 Jahren, ist auch gewissermaßen ein Gründungsmitglied der Jahrestreffen. Mittlerweile hat er auch eine Familienchronik geschrieben und beantwortet Anfragen zur Ahnenforschung für Menschen aus Kirchworbis und Umgebung.

Marcellinus Prien scheint zufrieden mit dem Treffen, das noch bis Sonntag andauert, dabei steht den Teilnehmern noch eine Menge bevor, denn einige Vorträge stehen am Nachmittag an. Da wird Andreas Stützer zum Beispiel referieren über „Hänsel und Gretel verirrten sich im Namenwald – Überlegungen zu Namenschreibweisen in der Genealogie“.